(18.02.2025, 17:48)Gast schrieb: Hi Leute, mir geht es ähnlich wie euch möchte eine Umschulung zur VfA starten in Berlin, nur leider findet man nicht wirklich viele Erfahrungsberichte über die Bildungsträger. Würde mich total freuen wenn ihre eure Erfahrungen bzgl. BILDUNGSTRÄGER in Berlin mit mir teilen würdet
Hallo,
ich bin mitten in der Umschulung bei Comhard (Lichtenberg) und eigentlich sehr zufrieden.
Ich weiß nicht, wie das bei anderen Trägern ist, aber Comhard arbeitet mit einem 2 / 2 Block-System. Man verbringt zwei Blöcke in Präsenz am Standort mit Unterricht und die anderen beiden Blöcke sind Selbstlernphase. Wir wechseln monatlich zwischen Früh-Unterricht (8:15 - 11:30) und Spät-Unterricht (12:15 - 15:30). Die Selbstlernphase findet nicht vor Ort statt, man fährt also mittags nach Hause oder kommt erst zu 12:15 Uhr. Es kontrolliert niemand, ob und wie lange man tatsächlich in der Selbstlernphase lernt. Einige Dozenten geben gezielt Aufgaben für den Vor-/Nachmittag auf, andere geben gar nichts auf und gehen davon aus, dass man sich selbstständig mit dem Stoff beschäftigt. Das hat den Vorteil, dass man sich seine Zeit für den Großteil des Tages frei einteilen kann, verleitet aber auch dazu, einfach gar nichts zu machen. Hier ist Selbstdisziplin gefragt.
Einige in meinem Kurs behandeln die Umschulung wie eine reine Halbtagsveranstaltung und machen sehr wenig bis gar nichts zu Hause. Das mag am Anfang noch funktionieren, fällt einem nach einiger Zeit aber definitiv auf die Füße.
Comhard arbeitet mit Teams und mit der Plattform ILIAS.
Die meisten Dozenten kommen mit Teams gut zurecht und beantworten schnell Fragen und stellen Dateien rein. Bei 1-2 Dozenten ist es besser, Fragen vor Ort zu stellen und die drucken dann auch alles aus, statt es digital zur Verfügung zu stellen, ist aber die Ausnahme. Home Office ist unter bestimmten Bedingungen möglich, man nimmt über eine Besprechung in Teams teil. Kamera muss eingeschaltet sein (theoretisch, die meisten Dozenten sagen nichts, wenn man sie nach der Anwesenheit ausmacht). Ob man im Home Office alles mitbekommt, hängt vom Dozenten ab. Einige wandern im Raum umher und dann hört man nicht alles und die Mitschüler aus den hinteren Reihen kommen beim Mikro vorne auch nicht an. Auch schaffen es 1-2 Dozenten nicht (immer), die Tafel bzw. ihren Bildschirm zu teilen. Bei uns fotografiert dann einfach jemand regelmäßig die Tafelbilder/Arbeitsblätter ab und stellt sie bei Teams rein, keine große Sache.
Im ILIAS sind organisatorische Dinge wie z.B. die Stundenpläne (immer für vier Wochen sichtbar) und Lernmaterialen/Aufgaben für jedes Fach. Einige Dozenten arbeiten mit ILIAS, erstellen z.B. Lernmodule, andere gar nicht. Unabhängig davon findet man dort die Lehrbriefe der VAK, gelaufene Prüfungen, digitale Gesetzessammlungen usw. Hier kann man viel Zeit verbringen, muss es aber nicht. Wir hatten zu Beginn eine sehr ausführliche Einführung, ich persönliche nutze die Plattform aber eigentlich nur für die Stundenpläne und die Prüfungssammlung.
Bis auf 1-2 Ausnahmen finde ich alle Dozenten gut, bei einigen habe ich sogar sehr gern Unterricht. Und selbst bei den Ausnahmen liegt es eher daran, dass der Unterrichtsstil für mich nicht passend ist und nicht daran, dass der Unterricht generell schlecht wäre. Fragen werden immer geduldig beantwortet, wenn es sein muss auch 10x (Rechnungswesen....). Während der Selbstlernphase ist der Dozent, bei dem an dem Tag Unterricht hat/hatte über Teams erreichbar, meiner Erfahrung nach werden Fragen über Teams in der Regel aber auch noch spät abends oder am Wochenende beantwortet. Soweit ich das einschätzen kann, sind alle Dozenten kompetent in ihrem Fach, oft auch in mehreren Fächen bzw. darüber hinaus. Einige sind sehr engagiert, stellen zusätzliches Material ein und bieten ständig an, Texte (z.B. Vermerke) zu korrigieren.
Bei uns wurde im Unterricht von Anfang an auf die Altklausuren der VAK eingegangen und mit diesen geübt. Viele Dozenten waren schon bei mündlichen Prüfungen dabei bzw. bilden VFA-Umschüler schon eine Weile aus und habe eine gute Idee davon, was die VAK (nicht) erwartet.
Grundsätzlich bin ich also echt zufrieden mit meiner Trägerwahl. Ich mag die Flexibilität des Halbtagsunterrichts und komme mit dem Unterricht der meisten Dozenten gut zurecht.
Kritikpunkte habe ich aber auch:
Die Home Office-Regelung ist ziemlich starr. Man braucht, um im HO bleiben zu dürfen, entweder einen ganz konkreten Nachweis für einen guten Grund (z.B. Kitaschließung) oder eben einen Krankenschein. Mal einen Tag von zu Hause aus teilnehmen, weil man verrotzt ist aber nicht gleich zum Arzt rennen will, geht nicht.
Die Räume haben Drucker, auf die man auch als Teilnehmer zugreifen kann, allerdings ist es von Comhard nicht unbedingt gewünscht, regelmäßig zu drucken. Lehrbriefe der VAK oder längere Dokumente von Dozenten dürfen nicht gedruckt werden. Papier muss im Sekretariat abgeholt werden, unter der Angabe, für welchen Raum ist es. Und wenn der Raum zu viel Papier verbraucht, gibt es eine entsprechende Ansage. Was nicht immer fair wirkt, weil die Räume von mehreren Kursen bzw. auch von der Volkshochschule genutzt werden und unklar ist, wer nun "zu viel" gedruckt hat. Ist einfach ein bisschen unangenehm, wenn zu Hause keinen Drucker hat, aber nun mal Berichtsblätter oder irgendwas für Rechnungswesen (was im Unterricht zwingend benötigt wird) ausdrucken muss und sich dabei wie ein halber Dieb vorkommt.
Als Träger muss Comhard hin und wieder Dokumente ausfüllen und ich rate dringend, die anschließend zu kontrollieren. In meinem Kurs waren bei mehreren Leuten z.B. die Anmeldeblätter für die VAK falsch (Tippfehler beim Namen, falsches Geschlecht, falscher Umschulungszeitraum...) und auch mehrere Praktikumsverträge mussten nochmal ausgestellt werden, weil irgendwas falsch war, obwohl vom Teilnehmer richtig angegeben. Kein große Sache wenn es rechtzeitig auffällt, aber ein bisschen nervig.
Mit dem Gesamtpaket bin ich aber wie gesagt zufrieden und die Dozenten und die anderen Mitarbeiter sind auch definivitv daran interessiert und bemüht, alle durch die Umschulung zu bekommen und ich habe noch von niemandem gehört, dass er keine Hilfe bekommen hat, wenn danach gefragt wurde. Das gilt nicht nur für den Unterrichtsstoff, sondern auch für Probleme die man als erwachsener Schüler halt mal hat oder Hilfe bei Bewerbungen für Praktika. Zur Not bringen die einen auch unter, wenn man selbst gar keinen Praktikumsplatz findet.